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#warum ein fragenkatalog?

Warum ein Fragenkatalog zur Praxissoftware?

Hinter einer Funktion stecken viele Anforderungen

Wer nach Praxissoftware sucht, stößt früher oder später auf Vergleichsportale, Bestenlisten, Testberichte, Tabellen und Checklisten. Das klingt zunächst hilfreich. Schließlich wäre es schön, wenn man einfach die wichtigsten Funktionen abhaken und am Ende die beste Software auswählen könnte. Leider funktioniert die Realität selten so.

Viele Vergleichsportale leiden unter einem grundsätzlichen Problem: Sie müssen Programme vergleichbar machen, die oft völlig unterschiedlich gedacht, aufgebaut und betrieben werden. Damit ein Vergleich interessant wirkt, braucht es viele Produkte, viele Kriterien und möglichst viele vergleichbare Angaben. Dabei werden jedoch schnell Dinge miteinander verglichen, die nur oberflächlich ähnlich aussehen. Auch viele Fragebögen und Checklisten aus Fachzeitschriften oder von Berufsverbänden haben ein ähnliches Problem. Die Fragen müssen kurz sein, die Antworten vergleichbar. Die Wirklichkeit ist jedoch meist deutlich komplizierter.

Eine Frage wie „Gibt es eine Patientenakte?“ klingt zunächst sinnvoll. Fast jede Software wird diese Frage mit „Ja“ beantworten. Aber was bedeutet das eigentlich? Kann man Dokumente strukturiert verwalten? Können Vertretungsrollen eingerichtet werden? Kann eine Mutter für ihr Kind Termine buchen? Können Angehörige organisatorische Aufgaben übernehmen? Können unterschiedliche Personen unterschiedliche Informationen sehen oder bearbeiten? Aus einer einfachen Ja-Nein-Frage wird schnell ein ganzes Bündel von Anforderungen.

Anforderungen entwickeln sich mit der Praxis

Hinzu kommt, dass viele Therapeutys zu Beginn noch gar nicht genau wissen, was sie brauchen. In der Gründungsphase existieren viele Abläufe noch nicht. Man weiß oft noch nicht, wie die eigene Praxis in drei, fünf oder zehn Jahren aussehen wird. In bestehenden Praxen ist es häufig umgekehrt: Dort gibt es gewachsene Abläufe, für die nun digitale Lösungen gesucht werden. Dabei stellt sich oft heraus, dass manche analogen Prozesse digital anders funktionieren – manchmal besser, manchmal schlechter und manchmal gar nicht.

Selbst uns geht das so. Obwohl wir uns seit vielen Jahren täglich mit Praxissoftware beschäftigen, haben wir Anforderungen entdeckt, mit denen wir ursprünglich nicht gerechnet hatten. Als wir bei lemniscus die ersten Patientenakten entwickelt haben, haben wir uns auf die offensichtlichen Dinge konzentriert: Anschrift, Telefonnummern, Mobilnummern und andere Stammdaten. Erst Jahre später kamen Anforderungen auf, die uns damals überhaupt nicht beschäftigt hatten. Kann eine Mutter für ihr Kind Termine online buchen? Wie bildet man Vertretungen ab? Wie kann festgelegt werden, wer für wen handeln darf? Welche Informationen dürfen sichtbar sein und welche nicht? Heute erscheinen solche Fragen selbstverständlich. Damals waren sie es für uns nicht.

Und wenn selbst Menschen, die täglich Praxissoftware entwickeln, nicht alle zukünftigen Anforderungen vorhersehen können, dann müsst ihr das erst recht nicht können. Eine gute Praxissoftware muss nicht jede denkbare Funktion bereits heute anbieten. Wichtiger ist, dass sie sich mit den Anforderungen ihrer Nutzys weiterentwickelt und auf neue Bedürfnisse reagieren kann. Gleichzeitig müsst ihr nicht jede Funktion nutzen, nur weil sie vorhanden ist. Viele Funktionen werdet ihr vielleicht niemals brauchen. Andere erscheinen heute unwichtig und werden erst Jahre später relevant.

Vielleicht geht ihr heute noch nicht durch eine bestimmte Tür. Vielleicht wisst ihr heute noch nicht einmal, dass diese Tür existiert. Viele Anforderungen entstehen erst im Praxisalltag, durch neue gesetzliche Vorgaben oder einfach dadurch, dass die eigene Praxis wächst und sich verändert.

Warum wir als Softwareentwickler diese Fragen sammeln

Genau deshalb haben wir diesen Fragenkatalog erstellt.

Nicht, um Software in Tabellen gegeneinander antreten zu lassen. Nicht, um Punkte zu vergeben oder eine Rangliste zu erstellen. Und auch nicht, um zu beweisen, dass eine bestimmte Software besser ist als eine andere.

Natürlich könnte man argumentieren, dass uns das alles egal sein könnte. Schließlich entwickeln wir selbst Praxissoftware. Man könnte also sagen: Hauptsache, ihr nehmt am Ende lemniscus.

Das wäre vermutlich die bequemste Haltung. Wir halten sie aber für die falsche.

Wir investieren Zeit in einen Fragenkatalog, der auch Themen enthält, bei denen andere Software möglicherweise besser dasteht als wir. Denn wir sind überzeugt, dass die Entscheidung für eine Praxissoftware eine der wichtigsten organisatorischen Entscheidungen einer Praxis überhaupt ist.

Digitalisierung ist kein Schluckauf. Die papierlose Praxis ist kein Häkchen in einem Bestellformular. Und eine Praxissoftware ist kein Werkzeug, das man nach drei Monaten einfach wieder austauscht.

Mit der Zeit wird sie zum Gedächtnis eurer Praxis. In ihr sammeln sich Dokumentationen, Rechnungen, Termine, Kommunikation und oft viele Jahre beruflicher Tätigkeit. Genau deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl genauer hinzusehen.

Stellt die Fragen, die für euch wichtig sind

Deshalb finden wir: Informiert euch. Stellt Fragen. Viele Fragen. Auch die unbequemen. Auch die Fragen, auf die ihr heute vielleicht noch keine Antwort braucht.

Dieser Fragenkatalog ist deshalb vor allem für euch gedacht. Wenn ihr beim Lesen immer wieder denkt: „Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht“, dann erfüllt er genau seinen Zweck. Denn am Ende ist nicht entscheidend, ob ihr dieselbe Software wählt wie andere. Entscheidend ist, dass ihr versteht, welche Fragen für eure Praxis wichtig sind.

Wenn ihr eure Anforderungen festhalten und Angebote anhand eigener Kriterien bewerten möchtet, könnt ihr dafür unser Vergleichstool nutzen. Auswahl, Gewichtung und Bewertungen liegen dabei bei euch.

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